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 Passion for Sail

Im Oktober 2007 flog ich nach Washington und fuhr mit einem Mietwagen nach Annapolis in ein günstiges Motel. Nächsten Tag besichtigte ich zwei Boote, die ich schon von zu Hause aus über Internet ins Auge gefasst hatte. Eine grundsolide aber spartanische Ingrid 38 und eine außergewöhnlich schöne Westsail 32. Nach einem äußerst schwierigen Entscheidungsprozess war es die Westsail, für die ich eine Anzahlung leistete. Ein starker Rumpf, ein Klassiker, ja, ein "Kult-Boot", ein Colin Archer, in sehr gutem Zustand, mit einem sehr schönen und geschmackvollen, individuellen Ausbau, mit einer Menge schwerer Bronze und einer Menge Teak. Weiterlesen

Bootskauf und erstes Segeln auf der Chesapeake Bay

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Atlantik 09

Log, Blog und Twitter News von Bord

 Auszug aus meinem Logbuch:


7. Juli
...später kommt Ostwind auf, genau von vorn und nicht zu knapp. Gavdos geht an den Wind. Eine unerklärliche Strömung von bis zu 2 Knoten arbeitet ebenfalls gegen uns, wir haben keine Ahnung was das ist, können gerade noch Süd gutmachen. Es weht bald mit 6 Bft. aus Ost. Mitten auf dem Atlantik gegenan zu segeln, mit all den Belastungen und seinem Ziel dabei keinen Zentimeter näher zu kommen - im Gegenteil, wir verlieren sogar ein paar Meilen - das ist nicht gerade eine aufheiternde Situation. Stunde um Stunde geht es so weiter ohne Veränderung. Um 15Uhr zeigt die Wetterkarte, die wir über Kurzwelle empfangen, eine ganze Reihe von Tiefs, teils mit "Gale warning" im Süden von uns. Was tun? Wir bleiben weiter auf Kurs, hoffen auf neuen Wind oder Winddreher - nicht gleich zu stark wenn möglich. Ein bißchen gibt es uns schon zu denken, absichtlich auf die Bahn der Sturmtiefs zuzuhalten, aber nach Norden segeln erscheint noch falscher. Gavdos arbeitet die ganze Nacht durch weiter gegen Wind und Wellen an. Den ganzen Tag über war es heute grau gewesen, Wolken bis aufs Meer hinunter, von der Sonne keine Spur und auch jetzt in der Nacht ist es immer noch stark bewölkt und der Mond bleibt hinter grauen Wänden versteckt...


15. Juli
...Wir passen die Bordzeit unserer Position an. Über 30 Längengrade haben wir bereits nach Osten zurückgelegt und so werden die Uhren um 2 Stunden vorgestellt (15 Längengrade entsprechen einer Stunde). Es herrschen einfach ideale Bedingungen: Traumhaftes Amwind-Segeln, der Wind kommt aus SSW mit ca. 10 Knoten und gibt uns eine hervorragende Geschwindigkeit von fast 7 Knoten Durchschnitt. Das Meer ist heute ruhig und blau, die Sonne brennt vom Himmel bei 30°C. Abends kochen wir Spaghetti mit "Italian Sausage"-Sauce und einer Dose schwarzer Oliven. Dann geht die Sonne unter und ein fantastischer Sternenhimmel erstreckt sich bis hinab aufs Meer. Mancher Stern steht so tief, man könnte ihn für das Dampferlicht eines Schiffes halten. Doch haben wir seit der Zeit der hartnäckigen Gegenwinde kein Schiff mehr gesehen und keine einzige Yacht seit wir New York verlassen haben...




Johannes' Blog:

Siebter Tag auf See - Erst Flaute, dann Gegenwind ...

Liebe Leser,

während ich diese Zeilen schreibe, kämpft sich das Boot durch einen aufgewühlten Nordatlantik. Gestern Nacht hat der Wind zunächst auf Nordost gedreht und uns stundenlang in der Flaute dümpeln lassen, bevor er dann heute Morgen gegen 8 auf Ost drehte und bis auf fünf Windstärken zunahm. Jetzt bolzen wir mit

nur ein paar Knoten Fahrt über Grund gegenan, denn aus unerfindlichen Gründen scheint auch noch ein Strom von vorne zu herrschen. Das Etmal fiel daher erschreckend klein aus: 41,4 Meilen.


Achter Tag auf See - Gegenwind, Gegenwind, Gegenwind ...


Liebe Leser,

der Atlantik schenkt uns keine einzige Meile. Gestern war (hoffentlich!) der frustrierendste Tag der gesamten Überfahrt: Kurz nach meinem letzten Blogeintrag drehte der Wind komplett auf Ost und kam direkt von vorn. Dazu setzte ein Gegenstrom von etwa 2 Knoten ein, der uns genau zwei Chancen gab: Entweder auf dem 61sten Längengrad nach Norden oder auf dem 61sten Längengrad nach Süden. Nach Osten? - Nicht möglich. Unter uns im Süden ziehen gerade drei Tiefdruckgebiete in Reihe nach Osten, die wohl für den Gegenwind verantwortlich sind. Weiter nach Norden segeln? Dort ist laut Wetterkarte mit Flaute zu rechnen. Also entschlossen wir uns, genau Kurs nach Süden und auf das Tiefdruckgebiet, das in seinem Kern maximal 7 Windstärken, aber bis 4,5 Meter Welle haben soll, zu nehmen. Die Entscheidung erwies sich als richtig. Bis Mitternacht konnten wir nur genau Kurs Süd halten, aber im Laufe der Nacht ließ der Strom, je weiter wir nach Süden kamen, nach, sodass wir gegen 4 Uhr morgens erstmals wieder Kurs auf die Azoren nehmen konnten, anstatt nur "auf der Stelle" zu segeln. Was für ein Glücksgefühl!

Jetzt kam sogar die Sonne wieder heraus - dafür drehte der Wind jedoch soweit, dass wir nur noch Ostsüdost anliegen können. Aber lieber nur ein wenig nach Ost als gar nicht! Wir sind gespannt, was die nächste Wetterkarte bringt. Wir hoffen, in die Westwinde der Tiefs zu gelangen, ohne ganz hinein zu segeln.

Wie einfach wäre doch alles, wenn wieder Westwinde aufkämen und wir genau auf die Azoren zu laufen könnten. Denn bis dahin sind es auch immerhin noch 1490 Meilen. Das Etmal für heute fiel zwar wieder bescheiden aus, aber für die Gegebenheiten immer noch gut: 58,9 Meilen. Durchs Wasser dafür 86,3 Meilen.

Nach dem nervigen und vor allem erschöpfenden Tag mit dem "auf-der-Stelle-Segeln" gestern, sind wir heute bei Sonne schon wieder etwas zuversichtlicher. Wird schon wieder besser werden. Mal sehen, was die Wetterkarte gleich um 19.15 UTC bringt...

Viele Grüße von hier draußen!

Johannes


Neunter Tag auf See - Hoch am Wind, aber endlich unterwegs nach Osten!

Liebe Leser,

kurz nach dem Blogeintrag gestern sagten wir uns "unglaublich, dass es 2 Tage dauern soll, bis wir endlich die 1.500-Meilen-Marke zu den Azoren knacken ..." und kurz darauf dreht der Wind soweit, dass wir Kurs Ostsüdost anliegen und damit endlich, endlich wieder Raum nach Osten gut machen können. Gestern

zeigte sich der Atlantik, wie schon in den letzten Tagen, von seiner grauen und rauen Seite. Hohe Wellen und Wind mit Stärke 6 aus Ostnordost, gegen einen aus Westen setzenden Strom. Sie können sich sicher ausmalen, was das für Wellen sind: Kurz und spitz.
Jetzt sind wir gespannt auf die neue Wetterkarte heute Nachmittag. Wir waren ja in der Hoffnung auf Westwinde hier runter gesegelt, aber bisher hat sich der Wind noch nicht verändert. Heute morgen, nach meinen zwei langen Nachtwachen und leicht übernächtigt, bin ich beim Kaffee den Wettervorhersageleuten auf die Schliche gekommen: "Ich wette, die sitzen da mit zwei Würfeln: Auf dem einen 'Nord, Süd, Ost, West, Umlaufend und Flaute', auf dem anderen die Windstärken. Nur die Amis, die haben einen Würfel mehr. Auf dem steht auf ALLEN Seiten 'with possibility of thunderstorms'" - denn das mit den Thunderstorms sagen die wirklich hinter JEDER Meldung! ;-)

Sonst gibt es hier von Bord nicht viel zu berichten. Nach mehr als einer Woche auf See sind wir mittlerweile ziemlich gut eingespielt, der Bordalltag funktioniert gut! Heute Nachmittag hab ich Wache, aber so wie es aussieht, werden wir bei dem herrlichen Wetter beide im Cockpit in der Sonne fleezen und lesen. Hoffen wir, dass der Wind noch dreht und uns wieder genau auf die Azoren zu schiebt!

Position von heute: 39 Grad 00' N, 058 Grad 21,2' W

Liebe Grüße von hier draußen!

Euer Johannes



Zehnter Tag auf See - Muehsam ernaehrt sich das Eichhörnchen ...

Liebe Leser,

was soll ich sagen? Gegenwind. Es scheint, als müssten wir über den gesamten Atlantik kreuzen! Kaum zwei Stunden nach dem letzten Blogeintrag gestern Mittag bekamen wir die Wetterkarten und wollten es nicht glauben: Für heute Ostwind 2-3 und morgen Ostwind 4. Den haben wir dann auch vor 2 Stunden bekommen, kreuzen jetzt wieder zurück nach Nordosten und können nur für die nächste Wetterkarte mit erfreulicheren Nachrichten hoffen.

Ansonsten geht es uns gut. Das Wetter lässt zwar sehr zu wünschen übrig, heut morgen schon Regen und jetzt komplett bewölkt, aber es geht zumindest mit 3 Knoten (VMG) auf das Ziel zu. Besser, als wie neulich im Gegenstrom nur entweder nach Nord oder Süd segeln zu können.


Eben kam ein fliegender Fisch an Bord geflattert. Leider zu klein, zum Essen, nur etwa 5 cm lang. Sind vom Geschmack her sowieso nicht so der Knaller, ich habe sie mal in der Karibik probiert. Viel dran ist ja ohnehin nicht. Hab mich damals immer gefragt, wie man fliegende Fische fängt, um sie zu braten. Fahren die mit einem Motorboot und Kescher durch die Gegend?! Haben schon einige hier gesichtet, auch alle paar Tage mal Delfine. Einen Tag hat uns sogar ein kleiner, etwa

1 Meter langer Hai mindestens 5 Meilen weit begleitet. Am spannendsten finde ich jedoch immer wieder die Portugiesischen Galeeren, die hier von Zeit zu Zeit vorbei segeln. Diese kleine, etwa 15 cm lange Quallenart schwimmt an der Wasseroberfläche und besitzt ein Segel mit einer Luftblase, mit dem es nicht nur mit dem Wind segeln, sondern sogar kreuzen kann! Total faszinierend. Und die sind sogar recht schnell unterwegs.

1296 Meilen sind es noch bis auf die Azoren. Es geht also voran. Wenn auch langsam und im Zickzack-Kurs. Hoffen wir weiter auf Westwind - oder von uns auch gern aus Nord oder Süd, aber kein OSTwind mehr, bitte!

Position ist: 38 Grad 22,7' N, 056 Grad 15,8' W. Macht ein Etmal von 105
Meilen und 835 Meilen von New York.

Viele Grüße!

Johannes


Elfter Tag - Sturm, Gegenwind, Flaute



Liebe Leser,

heute einmal drei Stunden später als üblich, weil vorhin um die Mittagszeit hier gerade Wind aufgekommen war und die Seebewegungen (bis zu 4 Meter hohe Seen) es nicht gerade lustig gemacht haben, unter Deck zu sitzen und zu tippen. Jetzt auch noch nicht, daher nur kurz: "Ein Sturm kann einen das Leben kosten - eine Flaute den Verstand", hat einmal Uwe Röttgering in seinem Buch geschrieben. Gegenwind, wie bei uns seit Tagen der Fall, macht auch keinen großen Spaß. Und wir hatten alles - Gegenwind, Sturm und Flaute - in den vergangenen 24 Stunden. Gestern Nacht erreichte uns ein Tief mit bis zu 3 Meter hohen Wellen und
etwa 8 Windstärken. Gegen Morgen konnten wir keine Meilen mehr nach Osten gut machen und mussten für 6 Stunden beidrehen. Das machte die konfuse See ein wenig angenehmer, aber so richtig entspannend war es dennoch nicht. Als der Starkwind aufhörte, etwa gegen 10 Uhr, müssen wir uns genau in der Mitte des Tiefs befunden haben - es herrschte absolute Flaute und die Sonne kam raus, während das Boot in der alten See erbärmlich dümpelte. Gegen Mittag dann -endlich - kam Wind aus Süden auf. Genau von der Seite! Zum ersten Mal seit mindestens 5 Tagen können wir wieder genau auf die Azoren zu segeln und machten derzeit gute Fahrt: Mit 6-7 Knoten jagen wir bei herrlichem Sonnenschein auf unser Ziel zu. Derzeit sind es noch 1230 Meilen bis Horta. Position heute Mittag war 39 Grad 3,4' N, 055 Grad 13,4' W. Etmal: Nur 63 Meilen.

Hoffen wir, dass sich der Wind hält! Ich bekomme gerade in diesem Moment
die Wetterkarte über Kurzwelle ... Sieht so aus, als wären wir endlich
durch und hätten erstmal freie Fahrt!

Viele Grüße von hier - und macht euch keine Sorgen zuhause, wenn das so
dramatisch klingt. Uns gehts gut! ;-)

Johannes



Zwoelfter Tag - Nochmal Sturm und Rekordetmal Kurs OST!

Liebe Leser,

wie einfach doch alles ist, wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht. Das tut er jetzt nämlich, schon seit gestern kurz nach dem letzten Eintrag. Allerdings nicht so ganz ohne Nebenwirkungen: Wir hatten gehofft, mit dem Sturm von Vorgestern Nacht auch das Zentrum des Tiefs passiert zu haben. Als der Wind gestern endlich auf Süd gedreht und noch immer sehr stürmisch war, realisierten wir, dass wir nur das Tief geschrammt hatten und den Kern des Ganzen noch vor uns. Den ganzen Tag liefen wir gestern mit 7-8 Knoten über Grund (wobei Wellen und Strom natürlich gut mithalfen) genau Kurs Osten. Die Wellen wurden immer höher, nahmen bis auf vier Meter zu. Gegen 22 Uhr begann der Sturm über uns herein zu brechen. Wir hatten das Groß geborgen und nur noch etwa 1,5 Quadratmeter Genua ausgerollt, was aber reichte, um uns noch immer mit 7,5 Knoten nach Osten zu treiben. Die Wellen liefen von schräg hinten an, knallten immer wieder mit ohrenbetäubendem Scheppern gegen den Rumpf. Dann, kurz vor Mitternacht, gab es einen Schlag, der mich in der Koje die Bordwand hochrollen ließ. Egi gegenüber warf es fast vom Kartentisch. Wasser spritzte quer durch die Kajüte, wurde offenbar durch alle an Steuerbord liegenden, geschlossenen (!) Bullaugen gedrückt und zwei Meter durch den Raum geschossen. Auch durchs Skylight an Deck kam einiges herein. Unglaublich, was Wasser für eine Wucht hat, dass es sich durch die Dichtungen drückt. Nach einem schnellen Rundumblick an Deck waren wir beruhigt: Der Mast war noch da, das Cockpit ein Haufen Leinengewirr. An der Seite, an der uns die Mega-Welle mit voller Breitseite erwischt haben muss, hat die Sprayhood einen ca. 30 cm langen Riss bekommen und einen Relingsdraht hat es losgerissen. Sonst scheint nichts passiert zu sein. Den Rest der Nacht knallten immer wieder mal große Wellen mit Wucht an die Bordwand und ins Cockpit. Eine drückte sogar Wasser durch die Steckschotten - aber der Wind und die Wellen nahmen ab und jetzt segeln wir bei herrlichem Nordwestwind um die 20 Knoten sowie 2 Meter Restwelle genau auf die Azoren zu.Trotz des Nervenkitzels der letzten Nacht und der durchgerefften Segel haben wir gute Fahrt gemacht und unser Rekordetmal von 155 Meilen genau nach Osten gut gemacht. Wunderbar! Außerdem haben wir vor etwa einer Stunde die erste 1.000er Marke geknackt und haben jetzt nur noch 1092 Meilen bis zu den Azoren vor dem Bug. Laut Wetterkarte ist das Tief nun entgültig durch und von uns weg.
Sonst liegt nun nichts mehr im Weg und ich bin sehr zuversichtlich, dass die nächsten und letzten 1.000 Meilen etwas schneller gehen sollten. Nochmal, speziell an meine Familie und meine Freundin zuhause: Auch,wenn das jetzt sicher ein wenig dramatisch klang, macht euch keine Sorgen! Das schlimmste liegt hinter uns. Jetzt ist wie gesagt alles schwere Wetter weg, die Sonne scheint und wir reiten gut nach Osten!

Jetzt gehts in die Endrunde, noch 42 Meilen und wir haben die Hälfte. Es fühlt sich jetzt schon an wie "bergab" fahren ... ;-)

Position ist: 38 Grad 44,8' N, 051 Grad 55,9' W.

Liebe Grüße!

Euer Johannes



13. Tag auf See - Sonnenschein und nahezu Ostkurs

Liebe Leser,

gerade hatten wir nur noch 980 Meilen bis Horta auf dem GPS stehen, das heißt nur noch etwa 820 bis zur ersten Insel der Gruppe. Es geht voran! Die Wellen haben in der Höhe auf etwa einen Meter abgenommen, der Wind auch auf 2 Windstärken, die Sonne scheint und wir haben Vollzeug gesetzt: Groß, Stagsegel, Genua, Sprayhood, - ja sogar Egis Socken! Als ich das Stagsegel setzte hingen die plötzlich im Rigg ...Ein 110er Etmal lässt uns etwas langsamer als erhofft, aber doch stetig voran kommen. Gestern kam der Wind noch aus Nord, drehte heute Morgen gegen 6 Uhr über Ost, sodass ich eine Stunde hoch am Wind kreuzen
musste, auf SW und jetzt auf SSW. Das passt. Gestern abend habe ich Pasta mit Tomatensauce und Dosenkuh (Corned Beed) gemacht.


Position heute: 38 Grad 51,3' N, 049 Grad 35,2' W.

Viele Grüße von hier draußen!

Euer Johannes



16. Tag auf See - Noch 95 Stunden bis Horta ...

... zeigte unser GPS schon gestern Abend immer wieder mal an, als wir mit 7 Knoten in die Nacht hinein schossen. Noch immer hält sich das tolle Wetter, der Wind hat auf Süd gedreht und lässt uns jetzt nur noch mit 6 Knoten voran kommen, aber das reicht immer noch, um endlich wieder ein 150er Etmal herauszusegeln!


Position von heute: 39 Grad 13,2' N, 041 Grad 18.5' W.

Etmal: 154 Meilen

Viele Grüße!

Johannes



17. Tag auf See - Kaiserwetter und gute Etmale

Liebe Leser,

nach der elendigen Kreuzerei gegen den Wind im Westatlantik scheinen wir nun redlich dafür belohnt zu werden: Seit Tagen haben wir herrlichsten Sonnenschein, nur gut 1 Meter hohe Wellen und Südwind, der uns stetig und auf kürzestem Wege auf die Azoren zu schiebt. Heute haben wir wieder ein Etmal von 145 Meilen ersegelt. Laut GPS sind es jetzt nur noch 445 Meilen bis Horta. Flores, die westlichste Insel der Gruppe, befindet sich demnach nur noch etwa 290 Meilen vor uns. Langsam können wir also die Fender herausholen ;-)

Die viele Sonne macht müde. Wir liegen seit Tagen nur noch faul im Cockpit, lesen, sonnen uns und gucken bedächtig in die Wellen. Wir haben gestern schon überlegt, jeden Tag einen Schluck AntiFAULing zu trinken, um unserem Rumgegammel entgegen zu wirken. Das Boot segelt sich gerade vollkommen von selbst. Nur nachts dreht der Wind meist um ein paar Knoten auf, sodass wir gestern beispielsweise das zweite Reff ins Groß binden und die Genua halb wegrollen mussten. Mit dem Morgengrauen graut es dann meist nicht nur dem Morgen, sondern auch dem Wind und wir können wieder Vollzeug setzen, mit 6 Knoten nach Osten segeln.

Position ist 39 Grad 11.9' N, 038 Grad 11.9' W. Wären wir noch ein Grad
weiter westlich, wäre das eine witziger Zufall.

Soweit von hier. Schönen Freitagabend euch allen zuhause (ich hoffe, ich
vertue mich gerade nicht in den Wochentagen ...) und viele Grüße!

Euer Johannes




Egi's Twitter News von Bord:


6:07 AM Jun 29th, 2009 Johannes und ich sind in der Lincoln Harbor Marina, New York - der Countdown läuft, geplantes Ablegen: Mittwoch, 1. Juli



2:34 PM Jun 30th, 2009 Letzten Proviant eingekauft und gestaut, Beiboot unter Deck, Außenborder in Backskiste, Luken gesichert...


11:35 PM Jul 2nd, 2009 Gegenwind und Flaute, im Moment sogar dicker Nebel..



2:24 PM Jul 3rd, 2009 Ganze Nacht guter Speed, im Moment wieder schwachwindig, verlassen Kontinentalsockel, an Bord alles bestens.


1:24 PM Jul 4th, 2009  Sonnenschein und Westwind mit Schaumkronen! Die frischen Sachen müssen aufgebraucht werden, d.h. Mangos, Avocados, Orangen ...


12:33 PM Jul 5th, 2009  Starker Westwind, hohe Wellen, alles ok.


10:05 AM Jul 7th, 2009  Starker Gegenwind, Regen, wir hoffen auf Besserung, an Bord alles ok.


10:24 AM Jul 8th, 2009  Wir laufen hoch am Wind über die Wellen, können unseren Kurs nicht direkt anlegen, wenigstens scheint die Sonne, wo bleiben die Westwinde?


10:10 AM Jul 9th, 2009 Heute schönes Ozeansegeln, Hochdrucklage, könnte den ganzen Tag im Cockpit in der Sonne liegen, nur der Wind müssete noch etwas drehen...


9:49 AM Jul 10th, 2009 Es ist wie verhext, immer noch haben wir Gegenwind genau aus Ost, Gavdos arbeitet sich über die Wellen, der Tag ist grau in grau.


9:50 AM Jul 10th, 2009 Wenigstens keine Schäden an Bord und ein Vorteil: Bei soviel Wind von vorn macht unser Windgenerator genug Strom für den Kühlschrank!


2:09 PM Jul 11th, 2009 Gestern Ostwinde bis 7, zeitweise 8 Bft. über Nacht haben wir beigedreht.


2:10 PM Jul 11th, 2009  Heute morgen haben wir es endlich geschafft auf die Südseite des Tiefs zu gelangen.


9:55 AM Jul 12th, 2009 Gestern Nacht erste Sturmfahrt gut überstanden. Johannes und ich bleiben unter Deck, die Windfahnensteuerung hält uns hervorragend auf Kurs.


9:55 AM Jul 12th, 2009 Wellen steigen über das Boot oder donnern mit unglaublicher Wucht gegen den Rumpf. Nur minimaler Schaden an der Sprayhood, alles o.k.


10:16 AM Jul 13th, 2009 Der Atlantik liegt bei 3Bft. aus SSO ruhig, tiefblau und menschenleer unter der Sonne.


10:16 AM Jul 13th, 2009 Gavdos macht gute Fahrt, liegt endlich mal ruhig im Wasser und vor ihrem Bug erstrecken sich noch 980 Seemeilen bis zu den Azoren!


10:19 AM Jul 14th, 2009 Zieht ein neues Tief auf uns zu? Die Wetterkarte über Kurzwelle wird es in ein paar Stunden verraten. Noch 870 Seemeilen bis zu den Azoren!


9:28 AM Jul 15th, 2009 Zwei Wochen auf See, ruhiges Meer, 3-4Bft. SSW, Hitze 30Grad C, Etmal 110 Seemeilen, 1358 Seemeilen von New York, noch 749 bis Horta/Azoren.


9:46 AM Jul 16th, 2009 Heute 4-5Bft.aus Süd, kommen gut voran, an Bord keine Schäden, gutes Essen und noch ausreichend Lesestoff.


9:46 AM Jul 16th, 2009 Noch ca. 466 Meilen, dann sollten wir die erste Insel der Azoren, Flores, sichten!


10:00 AM Jul 17th, 2009 Endloses Blau ringsum, leichter Wind aus Süd, den ganzen Tag Sonne. Haben in Erwartung schon die Seekarte der Azoren herausgesucht...


10:00 AM Jul 17th, 2009 ...noch 445 Meilen.


9:55 AM Jul 18th, 2009 Wir segeln weiter über ein friedliches Meer mit leichtem Südwest-Wind, 1765 Meilen von New York.


9:55 AM Jul 18th, 2009 Sehen wir morgen das erste Land, Flores? An Bord ist alles bestens.


10:45 AM Jul 19th, 2009 Letzte Nacht schwachwindig, heute morgen Regen, Gavdos läuft selbstständig wie auf Schienen...


10:38 AM Jul 20th, 2009 Vormittags Regen, jetzt kommt die Sonne durch und aus den Cockpit-Lautsprechern kommt schon Musik von "Radio Acores".


10:40 AM Jul 20th, 2009 Die letzten Meilen bis Horta auf Faial rollt Gavdos mit 7 Knoten vor einem 5-6er Westwind über die Wellen.


10:40 AM Jul 20th, 2009 Ganz so gemütlich wie die letzten Tage kommen wir nicht davon.


6:26 AM Jul 22nd, 2009 Wir sind in Horta angekommen, Gavdos hat festgemacht und wir haben festen Boden unter den Füßen. Sehr schön und entspannend hier!


12:40 AM Jul 24th, 2009 Johannes ist gestern von Horta nach Hause geflogen, da waren vor allem die Sorgen um die Gesundheit seiner Freundin. Seine Entscheidung kann ich gut verstehen.


9:38 AM Jul 24th, 2009 Heute um 11 Uhr habe ich Gavdos aus dem Hafen von Horta gesteuert.


9:38 AM Jul 24th, 2009 Nun bin ich allein unterwegs, im Moment bei schwachem Wind entlang der Südküste der Insel Pico weiter nach Osten!


2:06 PM Jul 25th, 2009 Gavdos hat in Ponta Delgada auf der Insel Sao Miguel festgemacht. Wunderbare Überfahrt mit achterlichem Wind bis Stärke 5 und Sonnenschein.


5:44 AM Jul 26th, 2009 Um 7 Uhr aus Ponta Delgada abgelegt, im Moment 20 Knoten Wind aus NO und Regen...das sind die Freuden des Segelns...


5:26 AM Jul 27th, 2009 Immer noch gegen Wind und Wellen, ich komme immer weiter nach Süden ab, Gavdos Bug zeigt im Moment auf Madeira...


5:47 AM Jul 28th, 2009 Habe gestern um 15h gewendet, um nicht zu weit nach Süden zu kommen...


5:48 AM Jul 28th, 2009 ...seit einer Stunde allerdings totale Flaute, nichts von Horizont zu Horizont.


5:22 AM Jul 29th, 2009 Ganz liebe Grüße an meine Kinder Nati und Soleana: Noch ein paar Tage, dann kommt die Gavdos an und ich komme nach Hause.


5:29 AM Jul 29th, 2009 Über Gavdos ist ein Hoch, habe es wenigstens geschafft nördlich des Zentrums zu sein und habe schwachen Wind aus West.


5:35 AM Jul 30th, 2009 Meine letzte Wetteranalyse war wohl zu optimistisch, bin in einer totalen Flaute.


5:35 AM Jul 30th, 2009 Oben auf dem Kajütdach lag heute morgen einer kleiner toter Tintenfisch - wie ist der da hingekommen?


5:26 AM Aug 1st, 2009 Aus zu wenig wird schnell zu viel - Seit gestern hat mich ein Tief erreicht, Erst wunderbares Segeln in die Nacht...


5:26 AM Aug 1st, 2009 doch hatte ich Gavdos etwas "overpowered" und der Spibaum brach - na ja, kann passieren...


5:28 AM Aug 1st, 2009 ...lief Gavdos schon nach Süden und es regnete zum Niedergang herein. Schnell ins Ölzeug...


5:28 AM Aug 1st, 2009 ...an den Wind und wieder auf Kurs gehen, drittes Reff ins Groß binden, Yankee reffen, es hat bis zu 30 Kn / 7 Bft.


5:28 AM Aug 2nd, 2009  Gavdos steht jetzt 119 Meilen vor der portugiesischen Küste und kreuzt weiter gegenan...


5:28 AM Aug 2nd, 2009 Mittagessen ist aber heute nochmal ganz amerikanisch, Soul food: Mit Turnip greens und corn pudding!


10:08 AM Aug 3rd, 2009 Die andere Seite des Atlantiks ist erreicht! Bei 6-7Bft. ging es den Rio Tejo hinauf...


10:08 AM Aug 3rd, 2009 ...um 15.00 UTC habe ich mit Gavdos in Lissabon festgemacht!


2:30 PM Aug 3rd, 2009 Die Atlantiküberquerung ist erfolgreich beendet! Auch ich muss erstmal nach Hause. Wie es mit Gavdos weitergeht siehe auf www.emf-sail.com  Vielen Dank und Grüße an alle Friends&Followers, besonders auch an: Julia, Nati, Soleana, Doris, Axel, Harald, Aase, Claus, Christina, Manfred., Faggio, Hainix, Joaquim Manuel Alves Ribeiro, Pat and Diane, Bernie and Kate, Joe from Lincoln Harbor and the gentleman who gave me a little golden sailboat with an angel holding on to the sails – to give us protection - that was a very kind gesture of you.

Große Bildergalerie Atlantiküberquerung           Egmont M. Friedl und Johannes Erdmann         133 Fotos

William Atkin (1882-1962), einer der großen amerikanischen Yachtkonstrukteure, war in den 1920er Jahren der erste, der aus Archers "Redningskoite" einen Fahrtensegler machte. Er verkleinerte Archers Design auf eine Länge von 9,75 Meter (32 Fuß) und schuf so mit nur minimaler Änderung Archers Rumpflinien den Kutter "Eric" im Auftrag für den Yachtjournalisten William W. Nutting. Nutting war diesem Bootstyp und den Legenden, die sich um ihn rankten, verfallen, fuhr 1915 selbst nach Skandinavien, fertigte Modelle des Typs, zeigte sie anderen großen Konstrukteuren seiner Zeit wie John G. Alden, und träumte davon dieses Design bauen zu lassen und selbst zu erproben. Doch Nutting erlebte die Verwirklichung seiner Träume nicht mehr und erfuhr auch nichts mehr vom großen Erfolg des Kutters "Eric": In den nächsten drei Jahren konnte William Atkin die Konstruktionspläne für "Eric" 175 mal verkaufen, so groß war das Interesse!

Einige berühmte Segler wählten bei ihren großen Fahrten Boote, die auf Colin Archers Erbe zurückgehen, wie Vito Dumas mit seiner "Leihg II", Bernard Moitessier mit "Joshua", Robin Knox Johnston mit "Suhaili" und John Gau mit "Atom", um einige der bedeutendsten zu nennen.


In Amerika wurde der Doppelender zum Synonym für eine seetüchtige Fahrtenyacht. Das Design wurde allerdings weiter entwickelt und verlor zunehmend seine Archer-typische Symmetrie von Bug und Heck. Um höhere Geschwindigkeit zu erzielen wurde der Bug schärfer und das Heck voller, es entwickelte sich zum so genannten Canoe-Heck. Die wichtigsten Konstrukteure dieser Weiterentwicklung sind W.I.B.Crealock und Robert H. Perry. Ihre Arbeit und ihr Einfluss finden sich in so Amerika-typischen Yacht-Klassikern wie: Valiant, Pacific Seacraft, Hans Christian,Tayana, Baba und vielen anderen.


Doch die Westsail 32, und damit auch die "GAVDOS", ist und bleibt das erste und traditionellste Boot dieser großen Familie. Sie ist praktisch die "Eric" in GFK.

Westsail 32   Background Info

In Amerika sieht man sie immer noch recht häufig, Segelyachten mit spitzem Heck, so genannte Doppelender oder Spitzgatter. Sie haben meist einen Bugspriet und ein Kutterrigg mit Yankee und Fock anstelle einer großen Genua. Es sind reine Fahrtenschiffe, die von keiner Vermessungsregel wie CCA, IOR, IMS oder IRC usw. beeinflusst sind. Allein optisch strahlen diese Yachten schon Seetüchtigkeit aus und stellen gerne ihre solide Bauweise zur Schau. Als nämlich Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts das Fahrtensegeln in den USA an Popularität gewann, wünschten sich immer mehr Segler ein geeignetes Boot, um zu fernen, romantischen Zielen aufzubrechen. Oft waren es Kriegsveteranen, die von der Ferne träumten und nach der Rückkehr in die Heimat wenige Perspektiven in einem normal-bürgerlichen Leben fanden. Seetüchtige, kleine Boote, die für weite Reisen geeignet wären, gab es aber kaum. So richtete sich das Augenmerk auf einen Bootstyp, der in Skandinavien beheimatet war und dem allergrößte Seetüchtigkeit zugesprochen wurde, dem Colin Archer.


Colin Archer (1832-1921), Sohn schottischer Einwanderer, lebte in Norwegen und gilt als einer der einflussreichsten Konstrukteure in der Geschichte des Boots- und Yachtbaus. Sein Hauptverdienst ist der Entwurf der "Redningskoite", einem Rettungskreuzer unter Segeln, der zahlreichen norwegischen Fischern das Leben bewahrte, wenn diese bei ihrer gefährlichen Arbeit in meist offenen Booten im eisigen Nordmeer rund um die Lofoten in Schwierigkeiten geraten waren. Schnell erlangte der "Redningskoite" einen legendären Ruf für seine Seetüchtigkeit. Diese Boote mit ihrem spitz zulaufenden Heck waren ca. 14 Meter lang, mit 4,8 Meter enorm breit, massiv gebaut und ca. 27 Tonnen schwer. Sie waren als Gaffel-Ketsch getakelt, hatten also zwei Masten, und eine relativ geringe Segelfläche. Es waren Rettungsboote, die auf dem Meer Station hielten oder langsame Fahrt machten und somit waren sie das genaue Gegenteil einer flinken Regattayacht.

Wie aber fanden die typisch skandinavischen Rumpfformen des Doppelenders nach Amerika?


  

Kleine Bildergalerie     GAVDOS X                         12 Fotos

Video: Unter einem grauen Himmel, nur noch hundert Meilen vor den Azoren rollt GAVDOS unter Windfahnensteuerung ihrem Ziel engegen und empfängt den ersten portugiesischen Radiosender.







Deltaville, Virginia - New York City                 4 Tage


New York City - Faial, Azoren                       20 Tage


Faial, Azoren  - Lissabon, Portugal               10 Tage

                















SY GAVDOS           Doppelender, Kutter mit Bugspriet


Typ:                     Westsail 32

Design:                 W.I.B. Crealock

Werft:                  Westsail Corp.

Baujahr:               1976

Rumpfmaterial:     GFK

Länge:                  9,80 Meter

Länge über alles:  12 Meter

Breite:                 3,35 Meter

Tiefgang:             1,50 Meter

Verdrängung:        10 Tonnen

Ballast:                 3,2 Tonnen

Segelfläche:          70 m2

Maschine:             Volvo Diesel 27 PS


Ein Klassiker, ja, ein "Kult-Boot", ein Colin Archer, in sehr gutem Zustand, einer der stärksten jemals gebauten GFK Rümpfe mit einem sehr schönen und geschmackvollen, individuellen Ausbau, mit einer Menge schwerer Bronze und einer Menge Teak.


Urvater aller amerikanischer Blauwasseryachten.


  

SY "GAVDOS" X        West - Ost  Atlantiküberquerung